日本語
Japanisch
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Gemeinsam mit anderen Sprachen
Grammatische Kategorien, die viele Sprachen kennen — hier, wie sie in dieser Sprache aussehen.
-
Zeitform
i
Die Zeitform des Verbs — wann etwas passiert (Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft). -
Modus
i
Wie das Verb gemeint ist: als Tatsache (ich gehe), als Möglichkeit oder Wunsch (ich ginge) oder als Aufforderung (geh!). -
Aktiv/Passiv
i
Aktiv oder Passiv — ob das Subjekt handelt oder die Handlung erfährt. -
Aspekt
i
Wie eine Handlung verläuft (z. B. abgeschlossen vs. andauernd). -
Polarität
i
Ob die Verbform etwas bejaht (er kommt) oder verneint (er kommt nicht). -
Konjugationsklasse
i
Nach welchem Muster sich ein Verb beim Beugen verändert — regelmäßig (sagen → sagte) oder unregelmäßig (gehen → ging).z. B. 食べる (ichidan)
-
Steigerung
i
Vergleichsstufe des Adjektivs: groß – größer – am größten.
Das Besondere an dieser Sprache
Was diese Sprache von anderen unterscheidet.
-
Gemischte Schrift
i
Eine Mischung mehrerer Schrift-Prinzipien (zum Beispiel Zeichen für Wörter und für Silben). -
Wortbau
i
Wörter werden aus klar abtrennbaren Bausteinen aneinandergereiht — je ein Baustein, eine Information. -
Teils gespeichert, teils erzeugt
i
Eine Mischung: manche Formen sind hinterlegt, andere werden nach Regeln erzeugt.
Sprachprofil — im Detail
Phonologie
Die rhythmische Grundeinheit des Japanischen ist nicht die Silbe, sondern die More. Eine More ist eine kleine Zeiteinheit, und die Sprache zählt in solchen Einheiten gleicher Länge (Fachbegriff: moraisch, nicht silbenzählend). Eine More besteht typischerweise aus einem Konsonanten plus Vokal oder aus einem einzelnen Vokal. Wichtig ist, dass auch Dinge eine eigene More bilden, die für deutsche Ohren gar nicht wie eine eigene „Silbe" klingen: das nasale ɴ am Silbenende (geschrieben ん) zählt als eigene More, und die erste Hälfte eines verdoppelten („geminierten") Konsonanten zählt ebenfalls als More. Diese More-Zählung ist deshalb so zentral, weil genau sie der Bauplan der Silbenschriften ist (siehe H.4): ein Kana-Zeichen entspricht ungefähr einer More.
Das Vokalsystem ist klein und überschaubar. Es gibt fünf Vokale — a, i, ɯ (ein ungerundetes u), e und o. Anders als im Deutschen gibt es keine Nasalvokale und keine Vokalharmonie. Eine Eigenschaft ist aber bedeutungsunterscheidend und für Lernende leicht zu überhören: die Vokallänge. Ein kurzer und ein langer Vokal können zwei verschiedene Wörter ergeben — die Konkretion nennt das Paar obasan gegen obaasan („Tante" gegen „Großmutter"). Die Silbe selbst ist einfach gebaut: meist ein Konsonant plus Vokal, ohne die im Deutschen üblichen Konsonantenhäufungen.
Japanisch ist keine Tonsprache. Es kennt aber einen Tonhöhenakzent (pitch accent): Welche Moren in einem Wort hoch und welche tief gesprochen werden, kann die Bedeutung verändern. Die Konkretion nennt dafür das Wort hashi, das je nach Tonhöhenverlauf „Brücke" oder „Stäbchen" bedeutet. Dieser Akzent ist also bedeutungsunterscheidend — er funktioniert aber nicht wie der lexikalische Ton im Chinesischen oder in Khoekhoegowab, sondern liegt als Hoch-Tief-Muster über dem Wort. In der normalen Rechtschreibung wird er nicht markiert; sichtbar wird er nur in Lehrmaterial und Wörterbüchern. Japanisch hat außerdem keine Klicklaute, keine Ejektive und keine Implosive.
Schriftsystem
Das Auffälligste am Japanischen — und im Bestand der Plattform der eigentliche Stresstest — ist, dass es drei Schriftsysteme gleichzeitig benutzt, und zwar nebeneinander in einem Satz. Das ist kein Sonderfall, sondern der Normalfall. Die drei Systeme haben eine Arbeitsteilung, sie sind also nicht austauschbar, sondern jeweils für etwas anderes zuständig:
- Kanji (漢字) sind logographisch: Ein Zeichen steht nicht für einen Laut, sondern für einen Bedeutungsbaustein. Kanji werden für die Inhaltswörter und Wortstämme verwendet. Für den Alltag gelten rund 2136 sogenannte Jōyō-Kanji als nötig. - Hiragana (ひらがな) ist eine Silbenschrift mit 46 Grundzeichen. Sie schreibt die Grammatik: die kleinen Anhängsel (Partikeln) wie は, が, を, die Flexionsendungen an Verben sowie native Wörter. Auch die Lesehilfe Furigana (siehe unten) wird in Hiragana geschrieben. - Katakana (カタカナ) ist eine zweite Silbenschrift, ebenfalls mit 46 Grundzeichen und Zeichen für Zeichen parallel zu Hiragana (jedes Hiragana hat ein Katakana-Pendant gleicher Lesung). Sie ist zuständig für Lehnwörter aus anderen Sprachen, für Eigennamen, für lautmalende Wörter (Onomatopoesie) und für Betonung.
Beide Kana-Schriften sind echte Silbenschriften auf More-Basis: Ein Kana-Zeichen entspricht ungefähr einer More (siehe H.3) — meist Konsonant-plus-Vokal, ein einzelner Vokal oder das moraische ん. Kana lassen sich, anders als Kanji, nicht weiter in bedeutungstragende Bestandteile zerlegen; sie sind reine Lauteinheiten. Kanji dagegen sind zerlegbar: Sie haben ein Radikal (部首 bushu), das einen Bedeutungs- und Nachschlage-Hinweis gibt, ein lautliches Teilelement und eine festgelegte Anzahl und Reihenfolge von Strichen (画 kaku). Eine Besonderheit der Kanji ist, dass ein und dasselbe Zeichen mehrere Lesungen haben kann — eine aus dem Chinesischen entlehnte (on-Lesung) und eine native japanische (kun-Lesung). Als Brücke dienen die Furigana: kleine Kana, die über ein Kanji gesetzt werden und seine Lesung verraten — die zentrale Lesehilfe für Lernende.
Dass die drei Schriften zusammenwirken, hat eine wichtige Folge für Suche und Modellierung: Ein einziges Wort kann innerhalb seiner Schreibung die Schrift wechseln. Das Verb für „essen" wird 食べる geschrieben — das ist ein Wort, geschrieben in zwei Schriften: das Kanji 食 trägt den Inhalt „essen", die angehängten Hiragana べる tragen die flektierende Endung (solche Hiragana-Endungen an einem Kanji heißen Okurigana). Hinzu kommt, dass japanischer Text keine Leerzeichen zwischen die Wörter setzt. Wo ein Wort anfängt und aufhört, steht also nicht im Schriftbild; ein Hinweis ist aber gerade der Schriftwechsel zwischen Kanji und Kana. Die Wortsegmentierung ist deshalb eine eigene Aufgabe und darf nicht damit verwechselt werden, dass jede Zeichengrenze schon eine Wortgrenze wäre.
Weitere Eigenschaften der Schrift:
- Diakritika: Kleine Zusatzzeichen verändern den Lautwert eines Kana. Das Dakuten (゛) macht einen Laut stimmhaft (か ka → が ga), das Handakuten (゜) erzeugt die p-Reihe (は ha → ぱ pa), und das Chōonpu (ー) längt einen Vokal in Katakana. Diese Zeichen sind bedeutungstragend und dürfen in keinem Pfad still entfernt werden (Hard Rule 2). - Keine Groß- und Kleinschreibung: Weder Kanji noch Kana kennen den Unterschied — weder am Satzanfang noch bei Eigennamen. - Schreibrichtung: modern meist waagerecht von links nach rechts. Daneben gibt es den senkrechten Satz (tategaki): von oben nach unten, Spalten von rechts nach links. Senkrechter Satz ist als Option offen `[WORKSHOP]`. Ein bidirektionales Handling wie bei rechtsläufigen Schriften ist nicht nötig. - Zeichensetzung mit eigenen Zeichen: ein ideografischer Punkt 。, ein Komma 、 sowie eigene Anführungszeichen (「 」 und 『 』). - Sortierung: traditionsgebunden nach der Kana-Reihenfolge gojūon (あいうえお…) oder nach der älteren iroha-Ordnung; Kanji werden nach Radikal, Strichzahl oder Lesung geordnet. - Rōmaji ist die Umschrift mit lateinischen Buchstaben (Hepburn/Kunrei). Sie ist ausdrücklich ein Hilfssystem für den Einstieg und die Transkription, keine Rechtschreibung des Japanischen.
Morphologie
Japanisch verhält sich morphologisch zweigeteilt. Die Verben und die Eigenschaftswörter (Adjektive) sind agglutinierend: An einen Stamm werden der Reihe nach Endungen angeklebt, jede für eine eigene grammatische Bedeutung. Die Substantive dagegen werden kaum gebeugt — sie verhalten sich eher isolierend, und ihre grammatische Rolle im Satz wird nicht durch Endungen am Wort, sondern durch kleine nachgestellte Partikeln angezeigt (siehe H.6).
Bei den Substantiven gibt es kein grammatisches Geschlecht, keine Nominalklassen, keinen erzwungenen Numerus (Singular und Plural werden meist nicht unterschieden) und keinen Artikel. Ob etwas Einzahl oder Mehrzahl ist, ergibt sich aus dem Zusammenhang; eine Mehrzahl-Markierung wie -tachi (たち) gibt es vor allem bei Personen und auch dort optional. Es gibt außerdem keine Kongruenz: Das Verb richtet sich nicht nach dem Subjekt (keine Person- und keine Numerus-Endung wie im Deutschen).
Das auffälligste eigene Bauprinzip der Substantive sind die Zähl- oder Klassifikatorwörter (助数詞 josūshi). Will man etwas zählen, kann man die Zahl nicht einfach an das Substantiv setzen; zwischen Zahl und Substantiv tritt ein passendes Klassifikatorwort, das sich oft nach Form oder Belebtheit des Gezählten richtet. Beispiele aus der Konkretion: 三人 (sannin, „3 Personen") mit dem Klassifikator für Personen, 一枚 (ichimai) mit dem Klassifikator für flache Dinge. Didaktisch heikel ist, dass die Klassifikatoren häufig einen Lautwandel auslösen: Derselbe Zähler für lange dünne Dinge erscheint in 一本 (ippon) und 三本 (sanbon) mit verschiedenem Anlaut. Manche Zählformen sind sogar suppletiv, etwa 一人 (hitori, „1 Person").
Bei den Verben ist die Flexion erstaunlich regelmäßig: Es gibt nur zwei echte unregelmäßige Verben (する suru „tun" und 来る kuru „kommen"); alle übrigen folgen einer der regelmäßigen Konjugationsklassen. Ein Verb hat eine schlichte Wörterbuchform wie 食べる (taberu, „essen") und eine höfliche Form wie 食べます (tabemasu). An die Form werden Zeit, Aspekt, Modus, Verneinung und vor allem die Höflichkeitsstufe (siehe Keigo weiter unten und H.6) angefügt. Weil ein Kanji-Stamm dabei mit einer Hiragana-Endung kombiniert wird, mischt ein einziges Verb regelmäßig zwei Schriften (Okurigana, siehe H.4).
Die wichtigste eigene grammatische Dimension des Japanischen ist die Höflichkeit — das System heißt Keigo (敬語). Anders als im Deutschen sitzt die Höflichkeit nicht (nur) im Pronomen oder in der Anrede, sondern vor allem am Verb. Keigo hat mehrere Schichten: die Höflichkeitsstufe (teineigo, gebildet mit です/ます), die Respektsform für das Gegenüber (sonkeigo) und die Bescheidenheitsform für die eigene Person (kenjougo). Ein und dasselbe „essen" hat dadurch mehrere Realisierungen: regelhaft höflich 食べます (tabemasu), respektvoll dem Gegenüber gegenüber aber das andere Wort 召し上がる (meshiagaru), und in der bescheidenen Form いただく (itadaku). Solche Wechsel auf ein ganz anderes Wort heißen suppletiv; ein weiteres Beispiel ist 行く (iku, „gehen"), das respektvoll zu いらっしゃる (irassharu) wird. Dazu kommt ein Höflichkeitspräfix お/ご (o-/go-), das ein Wort höflicher macht, etwa お水 (o-mizu, „Wasser", höflich).
Wortbildung läuft stark über Komposition, vor allem über sino-japanische Komposita — zwei oder mehr Kanji in ihrer on-Lesung zu einem neuen Wort zusammengesetzt, etwa 電話 (denwa, „Telefon"). Sehr produktiv ist außerdem das Muster Substantiv + する (suru, „tun"), mit dem aus einem (oft sino-japanischen) Substantiv ein Verb wird, zum Beispiel 勉強する (benkyō suru, „lernen/studieren").
Syntax & Variation
Im Satzbau folgt Japanisch der Reihenfolge Subjekt – Objekt – Verb, das Verb steht also am Ende — anders als im Deutschen oder Englischen. Eigenschaftswörter stehen vor dem Substantiv. Verhältnis-Wörter werden, anders als die deutschen Präpositionen, hinter das Wort gesetzt: Japanisch arbeitet mit nachgestellten Partikeln. Diese kleinen Partikeln zeigen die grammatische Rolle an — が (ga) das Subjekt, を (o) das Objekt, dazu に, へ, で und の für weitere Beziehungen.
Charakteristisch ist, dass Japanisch Topik-prominent ist: Sehr häufig wird das Thema (worum es geht) an den Satzanfang gestellt und mit der eigenen Partikel は (wa) markiert; der Rest des Satzes kommentiert dieses Thema. Außerdem werden Subjekt und Objekt oft ganz weggelassen (Fachbegriff pro-drop): Was sich aus dem Zusammenhang ergibt, muss nicht genannt werden. Besonders die zweite Person wird meist vermieden — statt „du" sagt man eher den Namen des Gegenübers mit der höflichen Anrede さん (-san).
Verneint wird am Verb, durch eine angehängte Endung — ない (nai) in der schlichten und ません (-masen) in der höflichen Form. Fragen werden gebildet, indem die kleine Fragepartikel か (ka) ans Satzende gestellt wird; daneben geht auch die bloße Frageintonation. Fragewörter wie 誰 (dare, „wer") oder 何 (nani, „was") bleiben an der Stelle stehen, an der die erfragte Antwort stünde — sie wandern nicht an den Satzanfang.
Zur Variation: Japanisch ist im Modell der Plattform eine monozentrische Sprache. Es gibt keine plurizentrische Varietäten-Umschaltung wie etwa beim Deutschen (de-DE/de-AT/de-CH); die Standardvarietät ist das Tokyo-Japanische (`standard_tokyo`). Die in der Konkretion benannte politisch-kulturelle Sensibilität liegt nicht in regionalen Standards, sondern in der Schriftwahl als Register-Signal: Ob ein Wort in Kanji, Hiragana oder Katakana geschrieben wird, signalisiert Förmlichkeit, Herkunft und Stilebene — und Keigo-Fehler sind sozial heikel. Diese Stellen sind für den Herkunftssprachenunterricht (DE-Tenant) zentral und fehleranfällig. Die Konkretion benennt dafür ausdrücklich die Japanisch-HSU-/JFL-Lehrkräfte (DE) als zuständige Community für Beispiele, Schriftmischung, Keigo, Zähleinheiten und Furigana. Konkrete Beispiele und Register-Zuordnungen sind von dieser Community zu prüfen `[WORKSHOP]`.
Wie diese Sprache gelernt wird
Didaktische Schwerpunkte — wie Lesen und Schreiben in dieser Sprache vermittelt werden.
Didaktische Prioritäten
- Kern-Lerngegenstände (aus dem Literacy-Modell, siehe H.7): Hiragana zuerst, dann Katakana, dann Kanji mit on-/kun-Lesungen und Furigana; Schrift-Funktions-Bewusstsein; Keigo-Register; Zähleinheiten mit Lautwandel.
- Chunks/Mehrwort-Bausteine: das produktive Muster Substantiv + する (z. B. 勉強する benkyō suru); feste Mehrwort-Lexeme sind als `yojijukugo`, `fixed_phrase` und `light_verb_construction` vorgesehen.
- Vokabel-/Lernlogik: Wiederholungsalgorithmen SM-2 (Default) und Leitner; Nachverfolgung pro Wortform (zuletzt begegnet, Häufigkeit, Beherrschungsgrad, nächster Termin, beobachtete Schwierigkeit, Fehlermuster) und pro Regel (Keigo-Stufe, Klassifikator-Wahl, Konjugationsklasse, Kanji-Lesung).
- Audio-Priorität: Audio ist Primärmedium (`primary_medium: audio`); Aufnahmen tragen Pflicht-Metadaten u. a. zu Sprecher-Varietät, Alter, Geschlecht, Lizenz und dokumentierter Einwilligung. Zusätzlich sind Strichreihenfolge-Animationen für Kana und Kanji als Video vorgesehen `[WORKSHOP]`.
- Aggregationsebene des Lernstands: Lemma (zusätzlich einzelne Kanji über die sublexikalische Ebene) — die Tracking-Einheit ist laut Konkretion komplexer als bei Mandarin, weil Lernende Lemma und einzelne Kanji und Lesungen getrennt verfolgen.
- Bilder hängen am Sense; Vorgaben: stilistisch je Sense einheitlich, Stereotype vermeiden.
- Konkrete Übungsmodi, Inklusionsaspekte und Fehlermuster-Katalog: `[LÜCKE]` / `[WORKSHOP]` (Pädagog:in + Workshop).
Mitmachen — mit Expert:innen ins Gespräch
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