Khoekhoegowab

Noch in Vorbereitung — von der Sprachgemeinschaft zu befüllen

Gemeinsam mit anderen Sprachen

Grammatische Kategorien, die viele Sprachen kennen — hier, wie sie in dieser Sprache aussehen.

  • Geschlecht
    i
    Gibt an, ob ein Nomen männlich, weiblich oder sächlich ist (der/die/das).
  • Einzahl/Zweizahl/Mehrzahl
    i
    Gibt an, ob es um eins (Einzahl) oder mehrere (Mehrzahl) geht.
  • Zeitform
    i
    Die Zeitform des Verbs — wann etwas passiert (Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft).
  • Person
    i
    Wer handelt — 1. (ich/wir), 2. (du/ihr) oder 3. Person (er/sie/es/sie).
  • Modus
    i
    Wie das Verb gemeint ist: als Tatsache (ich gehe), als Möglichkeit oder Wunsch (ich ginge) oder als Aufforderung (geh!).
  • Aspekt
    i
    Wie eine Handlung verläuft (z. B. abgeschlossen vs. andauernd).
  • Steigerung
    i
    Vergleichsstufe des Adjektivs: groß – größer – am größten.

Etwas ergänzen oder korrigieren

Das Besondere an dieser Sprache

Was diese Sprache von anderen unterscheidet.

  • Übereinstimmung in Person, Geschlecht & Zahl
    i
    Das Verb richtet sich nach Person, Geschlecht und Zahl des Handelnden.

Eine Besonderheit vorschlagen

Sprachprofil — im Detail

Phonologie

Das auffälligste Merkmal des Khoekhoegowab sind die Klicklaute (Schnalzlaute). Khoekhoegowab gehört zur Khoe-Familie, und Klicks sind hier keine exotischen Randlaute, sondern voll gleichberechtigte Konsonanten, mit denen ganz normale Wörter beginnen. Die Sprache unterscheidet vier Klickstellen — also vier Orte im Mund, an denen der Schnalzlaut gebildet wird. Jede Klickstelle hat ein eigenes Schriftzeichen: der dentale Klick ǀ (an den oberen Schneidezähnen), der laterale Klick ǁ (seitlich, an den Backenzähnen), der palatale Klick ǂ (am vorderen Gaumen) und der alveolare Klick ǃ (am Zahndamm hinter den Zähnen).

Zu jeder dieser vier Klickstellen kommt eine Begleitartikulation hinzu — eine zusätzliche Art, wie der Klick genau ausgesprochen wird. Die Konkretion führt fünf solcher Serien: schlicht (plain), behaucht (aspirated), nasal, stimmhaft (voiced) und mit Kehlkopfverschluss (glottalized). Vier Klickstellen mal fünf Begleitartikulationen ergeben das volle Klick-Inventar der Sprache. In der Schrift werden die Begleitartikulationen oft durch einen angehängten Buchstaben ausgedrückt — etwa ǀh für den behauchten dentalen Klick oder ǀg für den stimmhaften dentalen Klick.

Das zweite prägende Merkmal ist der Ton: Die Tonhöhe ist bedeutungsunterscheidend. Die Konkretion verzeichnet vier Töne (nach Haacke 1999) — einen Hochton (Diakritikum `´`), einen Mittelton (ohne Diakritikum), einen Tiefton (Diakritikum `` ` ``) und einen fallenden Ton (Diakritikum `ˆ`). Zwei Wörter, die aus genau denselben Lauten bestehen, können sich allein durch den Ton unterscheiden und damit Verschiedenes bedeuten. Ein konkretes tonales Minimalpaar ist im Lexikon der Konkretion bereits angelegt: das Verb ǁnâ tritt einmal mit Hochton und einmal mit Tiefton auf, als zwei getrennte Wörter — die genauen Bedeutungen sind noch aus der Quelle zu verifizieren. `[QUELLE]`

Bei den Vokalen sind gleich zwei weitere Eigenschaften bedeutungsunterscheidend. Erstens die Länge: Ein kurz oder lang gesprochener Vokal kann den Unterschied zwischen zwei Wörtern ausmachen (etwa ǀa mit kurzem gegenüber ǀā mit langem a). Zweitens die Nasalierung: Ein durch die Nase gesprochener Vokal steht anderen Wörtern gegenüber als der gewöhnliche (etwa ǀi gegenüber dem nasalierten ǀî). Eine Vokalharmonie wie im Türkischen kennt die Sprache nicht.

Anders als der Ton trägt die Betonung keine bedeutungsunterscheidende Funktion — diese Aufgabe übernimmt die Tonhöhe. Das r kommt nur eingeschränkt vor, vor allem in Lehnwörtern aus Afrikaans und Englisch. Ejektive und Implosive hat Khoekhoegowab nicht. `[QUELLE]`

Schriftsystem

Khoekhoegowab wird mit dem lateinischen Alphabet von links nach rechts geschrieben, ergänzt um die vier Klick-Symbole ǀ, ǁ, ǂ und ǃ. Das Alphabet umfasst dadurch 30 Zeichen — die 26 lateinischen Buchstaben plus die vier Klick-Schriftzeichen. Die Klick-Symbole sind hier eigene Buchstaben, keine Satzzeichen und keine Verzierungen.

Mehrere Laute werden durch Buchstabenkombinationen geschrieben. Dazu gehört ts, vor allem aber die Klick-Schreibungen mit angehängtem h oder g: ǀh, ǁh, ǃh, ǂh für die behauchten Klicks und ǀg, ǁg, ǃg, ǂg für die stimmhaften Klicks. Solche Schreibungen sollte man als Einheit lesen.

Über den Vokalen erscheinen Diakritika, die unterschiedliche Aufgaben haben. Ein Makron (Längsstrich, z. B. ā) markiert die Vokal-Länge; ein Zirkumflex (Dächlein, z. B. â) markiert die Nasalierung. Daneben gibt es pädagogische Tonzeichen — ein Akut für den Hochton (z. B. á) und ein Gravis für den Tiefton (z. B. à). Wichtig für Schule und Suche: Länge und Nasalierung werden in der Standard-Orthographie immer geschrieben, die Tonzeichen dagegen in alltäglichen Texten meist weggelassen. Im Alltagstext muss also aus dem Zusammenhang erschlossen werden, welches von zwei tonal verschiedenen Wörtern gemeint ist.

Bei der Groß- und Kleinschreibung gilt die Standard-Latein-Regel: Satzanfänge und Eigennamen werden großgeschrieben, Substantive dagegen — anders als im Deutschen — klein. Khoekhoegowab bildet den Besitz nicht mit einem angehängten Apostroph-s wie das Englische, sondern über seine Personen-Geschlecht-Zahl-Endungen (siehe H.5); ein Apostroph kommt entsprechend selten vor. Die Sortierreihenfolge der Klick-Symbole ist nicht universell festgelegt, sondern hängt von der Konvention ab (Haacke & Eiseb 1999 ordnen die Klicks ins lateinische Alphabet ein). Die genaue plattform-verbindliche Sortierung ist noch festzulegen. `[WORKSHOP]`

Morphologie

Das Herzstück der Grammatik des Khoekhoegowab ist das Personen-Geschlecht-Zahl-System — kurz PGN (von englisch person, gender, number). An einen Wortstamm wird eine Endung angehängt, die in einem einzigen Schritt drei Informationen zusammenfasst: die grammatische Person, das Geschlecht und die Zahl. Diese drei Angaben sind in der Endung verschmolzen; man kann sie nicht sauber in drei getrennte Bausteine zerlegen. Im Übrigen ist die Sprache agglutinierend, das heißt, weitere Endungen werden der Reihe nach angeklebt (in der Konkretion: `type: agglutinative_with_fusional_pgn`).

Beim Geschlecht unterscheidet Khoekhoegowab drei Werte — männlich, weiblich und ein gemeinsames Geschlecht (common) —, bei der Zahl sogar drei Werte: Einzahl, Zweizahl (Dual, also genau zwei) und Mehrzahl. Die Zweizahl ist eine Besonderheit, die das Deutsche nicht kennt: Für „genau zwei" gibt es eine eigene Form, nicht einfach die Mehrzahl. Eine separate Pluralendung wie im Deutschen gibt es nicht — die Zahl steckt mit im PGN-Suffix.

Wie produktiv dieses System ist, zeigt sich am Substantiv-Stamm khoe (Mensch, Person): Aus ihm entsteht durch die PGN-Endungen eine ganze Reihe von Formen — khoeb (ein Mann, männlich Einzahl), khoes (eine Frau, weiblich Einzahl), khoei (gemeinsames Geschlecht, Einzahl), khoekha (zwei Männer, männlich Zweizahl), khoera (zwei, weiblich Zweizahl), khoegu (Männer, männlich Mehrzahl), khoedi (Frauen, weiblich Mehrzahl) und khoen (Menschen, gemeinsames Geschlecht Mehrzahl). Aus einem Stamm werden so acht zusammengehörige Wortformen. Die einzelnen PGN-Endungen sind in der Konkretion belegt — etwa -b (männlich Einzahl), -s (weiblich Einzahl), -i (gemeinsames Geschlecht Einzahl), -kha (männlich Zweizahl), -ra (weiblich/gemeinsam Zweizahl), -gu (männlich Mehrzahl), -di (weiblich Mehrzahl) und -n (gemeinsames Geschlecht Mehrzahl). Die vollständige PGN-Suffixtabelle über alle Personen hinweg ist noch zu erfassen. `[WORKSHOP]`

Auch die Pronomen sind nach diesem Muster gebaut: Sie bestehen aus einer Personen-Wurzel plus PGN-Endung. So liegen für die dritte Person in der Konkretion etwa ǁîb (er, männlich Einzahl), ǁîs (sie, weiblich Einzahl) und ǁîkha (die beiden, männlich Zweizahl) vor — gut sichtbar mit demselben Endungssystem wie beim Substantiv. Das vollständige Pronomen-Paradigma mit erster und zweiter Person ist noch zu erfassen. `[WORKSHOP]`

Bei den Verben unterscheidet die Konkretion einen Stamm und einen Infinitiv mit der Endung -s — etwa den Stamm ǃkhō (fangen) gegenüber dem Infinitiv ǃkhōs. Verbformen richten sich nach Tempus, Aspekt, Modus sowie Person, Geschlecht und Zahl. Die Wortbildung läuft fast nur über Endungen (Nachsilben); Vorsilben spielen kaum eine Rolle, und Zusammensetzungen aus zwei Substantiven sind nur begrenzt produktiv. Die Beispiele dazu sind noch zu erfassen. `[LÜCKE]`

Syntax & Variation

Im Satzbau folgt Khoekhoegowab der Reihenfolge Subjekt – Objekt – Verb, das Verb steht also am Ende — anders als im Deutschen oder Englischen. Eigenschaftswörter stehen vor dem Substantiv. Wo das Deutsche Verhältniswörter vor das Substantiv setzt, nutzt Khoekhoegowab Nachstellungen (Postpositionen), die hinter dem Bezugswort stehen. Die Sprache hat außerdem eine ausgeprägte Thema-Rhema-Struktur: Worüber gesprochen wird, kann eigens an den Anfang gestellt werden.

Verneint wird mit einem eigenen Wörtchen am Satzende (in der Konkretion tama). Fragen werden ebenfalls vorwiegend mit einem Partikel am Satzende gebildet (etwa kha oder ); daneben kann auch die Satzmelodie eine Frage anzeigen.

Eine Besonderheit ist, dass das Subjektpronomen oft weggelassen wird: Weil die Personenangabe ohnehin über das PGN-System ausgedrückt wird, muss „ich", „du" oder „sie" nicht eigens als eigenes Wort genannt werden.

Bei der Variation ist Khoekhoegowab einsprachenzentriert (monozentrisch): Der Norm-Anker ist das Nama (Namagowab) als Standard-Referenz; die in anderen Sprachen wichtige Pluricentricity- und Varietätenumschaltung betrifft diese Sprache nicht. Zugleich nennt die Konkretion vier Sprechvarietäten, die getrennt zu behandeln sind: Nama (südliche Region, Standard-Referenz), Damara (zentrale/westliche Region, phonologisch sehr nah am Nama), Haiǁom (nördlich-zentral, mit eigenständigen Lexik-Schichten) und ǂAakhoe (südwestliche Kalahari, phonologisch und lexikalisch eigenständiger; hier besteht eine substanzielle Forschungslücke). Eine etablierte Korrespondenztabelle zwischen den Varietäten gibt es noch nicht. `[WORKSHOP]`

Politisch sensible Bereiche, die der Reviewer-Pool gesondert und mit höchster Sorgfalt behandelt: die Namens-Politik (Khoekhoegowab als Autonym gegenüber dem kolonialen Exonym „Nama"); die Repräsentation der Damara- und Nama-Gemeinschaften, die getrennte kulturelle Identitäten haben und für die die gemeinsame Schriftsprache politisch vereinbart wurde; die Sichtbarkeit der kleineren Gruppen Haiǁom und ǂAakhoe, die in der Standard-Pflege leicht übergangen werden; sowie die Kolonial- und Genozid-Geschichte — Khoekhoegowab-Sprecher:innen sind Nachfahr:innen des Genozid-Kontexts 1904–1908, und genozid-relevantes Vokabular braucht erhöhten Konsens. Die Plattform erkennt die namibische Lokal-Standardisierung (UNAM-Tradition) als primäre Autorität an, nicht die deutsche kolonial-linguistische Tradition. Konkrete Einordnungen und Tabu-Vokabular liegen bei der Community. `[WORKSHOP]`

Wie diese Sprache gelernt wird

Didaktische Schwerpunkte — wie Lesen und Schreiben in dieser Sprache vermittelt werden.

Didaktische Prioritäten

  • Kern-Lerngegenstände: die Klick-Phonem-Sequenzen (vier Stellen × fünf Begleitartikulationen), die vier phonemischen Töne, die Vokal-Länge/Nasalierung sowie das PGN-Suffixsystem am Nomen.
  • Lern-Reihenfolge: in der Konkretion als Lern-Komponenten angelegt — Klick-Sequenz, Tonalitäts-Layer, Vokal-Länge & Nasalierung; die genaue Progression bleibt Workshop-Aufgabe. `[WORKSHOP]`
  • Beobachtete Fehlermuster (Tracking-Ziele): in der Konkretion als trackbar vermerkt (`error_patterns_observed`); konkrete Fehlermuster (z. B. verwechselte Klickstellen, falsch gesetzter Ton) sind noch festzulegen. `[WORKSHOP]`
  • Audio-Priorität: Audio ist Primärmedium; Metadaten unterscheiden u. a. die Sprecher-Varietät (Nama/Damara/Haiǁom/ǂAakhoe), das Geschlecht (für PGN-Material relevant) und die kulturelle Rolle der sprechenden Person. Keine TTS.
  • Aggregationsebene des Lernstands: Lemma (nicht Einzelform), damit nicht jede der acht PGN-Formen separat zählt. Default-Wiederholungsalgorithmus `leitner_box` (geringere Korpus-Datendichte).
  • Inklusionsaspekte, weitere Übungsmodi: `[LÜCKE]` / `[WORKSHOP]`.

Mitmachen — mit Expert:innen ins Gespräch

Dieses Profil wächst mit den Sprachgemeinschaften. Du kennst die Sprache, hast eine Korrektur, ein Beispiel oder eine Quelle? Schreib uns — jede Lücke ist eine Einladung.

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Steckbrief

ISO 639-3
naq
BCP 47
naq-Latn-NA
Schrift
Latn
Schreibrichtung
links nach rechts
Modalität
Laut-/Schriftsprache

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