Bokmål

Norwegisch

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Grammatische Kategorien, die viele Sprachen kennen — hier, wie sie in dieser Sprache aussehen.

  • Geschlecht
    i
    Gibt an, ob ein Nomen männlich, weiblich oder sächlich ist (der/die/das).

    z. B. dame (weiblich) KI · ungeprüft

  • Einzahl/Mehrzahl
    i
    Gibt an, ob es um eins (Einzahl) oder mehrere (Mehrzahl) geht.

    z. B. blomst (Mehrzahl) KI · ungeprüft

  • Zeitform
    i
    Die Zeitform des Verbs — wann etwas passiert (Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft).
  • Konjugationsklasse
    i
    Nach welchem Muster sich ein Verb beim Beugen verändert — regelmäßig (sagen → sagte) oder unregelmäßig (gehen → ging).

    z. B. finne (strong) KI · ungeprüft

  • Steigerung
    i
    Vergleichsstufe des Adjektivs: groß – größer – am größten.

    z. B. kald (Grundstufe (Positiv)) KI · ungeprüft

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Sprachprofil — im Detail

Phonologie

Das auffälligste Merkmal des Norwegischen für deutschsprachige Lernende ist der Tonakzent (norwegisch tonelag). Norwegisch unterscheidet auf betonten Silben zwei verschiedene Tonmuster, Akzent 1 (auch „akut") und Akzent 2 (auch „grav"). „Tonakzent" heißt: Die Tonhöhe steigt oder fällt über das Wort und kann dabei die Bedeutung verändern — und zwar bei Wörtern, die ansonsten genau gleich geschrieben werden. Das klassische Beispiel ist bønder ‚Bauern' mit Akzent 1 gegenüber bønner ‚Bohnen/Gebete' mit Akzent 2. Beide klingen für ungeübte Ohren fast identisch, der Unterschied liegt allein im Tonverlauf. Wichtig zum Einordnen: Das ist kein vollständiges Tonsystem (wie etwa im Chinesischen, wo jede Silbe einen festen Ton trägt), sondern ein sogenannter Pitch-Accent — das Tonmuster hängt nur an der betonten Silbe.

Eine schöne Besonderheit im Vergleich zum eng verwandten Dänischen: Dieselbe historische Unterscheidung, die das Dänische mit dem stød (einem kehligen Stimmabsatz, einer Art Knacklaut) ausdrückt, realisiert das Norwegische tonal, also über die Tonhöhe. Das Wortpaar bønder / bønner ist im Dänischen genau das stød-Paar — im Norwegischen ist es das Tonakzent-Paar. Norwegisch hat also kein stød.

Der Tonakzent wird in der Schrift nicht markiert; man hört ihn, man liest ihn nicht. Wie stark und in welche Richtung das Tonmuster ausfällt, hängt zudem von der Region ab — Ost- und Westnorwegisch realisieren die Tonkurven teils gespiegelt ([QUELLE]).

Weitere Merkmale des Lautsystems:

  • Vokallänge ist bedeutungsunterscheidend (phonemisch): Ein Vokal kann kurz oder lang sein, und das macht einen Unterschied. Das Vokalinventar umfasst u. a. a [ɑ] (tak), e [e], i [i] (fin), ø [ø] (øl), y [y] (ny) sowie ein besonders gerundetes u, das wie [ʉ] klingt (hus).
  • Diphthonge (Doppelvokale, bei denen sich der Klang innerhalb einer Silbe verändert): u. a. [æɪ] in ei (vei) und [øʏ] in øy (høy).
  • Bei den Konsonanten fallen die sogenannten kj-Laute auf — ein Reibelaut [ç] ähnlich dem deutschen „ich"-Laut, der teilweise mit dem [ʃ]-Laut (wie „sch") zusammenfällt.
  • Retroflexe Laute im Ostnorwegischen: Trifft ein r auf einen folgenden Zahnlaut (in den Buchstabenfolgen rd, rt, rn, rl), verschmelzen beide zu einem mit zurückgebogener Zunge gebildeten Laut. Das r selbst wird je nach Region gerollt oder am Gaumenzäpfchen gebildet.
  • Wortbetonung ist bedeutungsunterscheidend (phonemisch), mit Haupt- und Nebenbetonung.

(Die hier genannte Default-Aussprache orientiert sich am Ostnorwegischen rund um Oslo. Das ist eine pragmatische Wahl: Norwegisch kennt keinen offiziellen Sprech-Standard — siehe H.6.)

Schriftsystem

  • Schrift (ISO 15924): `Latn` (lateinisches Alphabet)
  • Richtung: ltr (von links nach rechts); kein Bidi, keine Spiegelung der Oberfläche
  • Alphabet: 29 Buchstaben — die 26 des Grundalphabets plus die drei Sonderbuchstaben æ, ø, å (wie im Dänischen). Diese drei sind eigenständige Buchstaben, keine umgelauteten Varianten anderer Buchstaben.
  • Diakritika: im Kern keine. æ ø å zählen als eigene Buchstaben, nicht als „Buchstabe-mit-Zeichen". Ein Akut kommt nur gelegentlich zur Unterscheidung von Gleichschreibungen vor, etwa én ‚eins' gegenüber en ‚ein(e)'.
  • Tonakzent in der Schrift: gar nicht markiert. Akzent 1 und Akzent 2 (siehe H.3) sind orthographisch unsichtbar; für den Unterricht kann man sie behelfsweise mit Akzentzahlen kennzeichnen, das ist aber eine didaktische Hilfe, keine Rechtschreibung.
  • Buchstabenkombinationen, die als Einheit gelesen werden: Konsonantenverbindungen kj, skj, sj, ng, gj; Vokalverbindungen ei, øy, au.
  • Stumme Buchstaben: ein stummes d am Wortende nach l oder n (kald, land), gelegentlich stummes g/h, sowie hv- am Wortanfang, das nur als [v] gesprochen wird (hva klingt wie [vɑ]). Insgesamt ist die Schrift lautgetreuer (transparenter) als das Dänische, weil weniger Laute „verschluckt" werden.
  • Groß- und Kleinschreibung: Substantive werden klein geschrieben (anders als im Deutschen). Großgeschrieben werden nur Satzanfänge und Eigennamen.
  • Wort = geschriebenes Wort: Ein grammatisches Wort entspricht in aller Regel einem geschriebenen Wort (zusammenhängende, „konjunktive" Schreibung). Zusammensetzungen werden zusammengeschrieben, und der bestimmte Artikel wird ans Substantiv angehängt (huset ‚das Haus' — siehe H.5). Das ist anders als bei Sprachen mit getrennter Schreibung.
  • Sortierung: Die drei Sonderbuchstaben æ, ø, å stehen in dieser Reihenfolge am Ende des Alphabets (wie im Dänischen), nicht etwa bei a oder o.
  • Satzzeichen / Anführungszeichen: u. a. «…» und „…". Der Genitiv wird mit angehängtem -s ohne Apostroph gebildet; ein Apostroph erscheint nur bei Wörtern, die schon auf s, x oder z enden (Lars' bok ‚Lars' Buch').

Morphologie

Die größte Hürde — und gleichzeitig das Charakteristische — ist der angehängte bestimmte Artikel. Wo das Deutsche ein eigenes Wörtchen voranstellt („das Haus"), hängt das Norwegische die Bestimmtheit als Endung hinten ans Substantiv: hus ‚ein Haus / Haus' wird zu huset ‚das Haus'. Das ist exakt das dänische Muster. Welche Endung genommen wird, hängt vom Geschlecht des Substantivs ab: -en (maskulin), -a (feminin), -et (neutral) im Singular; -ene im Plural.

Eine Besonderheit, die Lernende oft überrascht, ist die doppelte Bestimmtheit: Steht vor dem Substantiv ein Adjektiv, erscheint die Bestimmtheit gleich zweimal — einmal als vorangestelltes Wörtchen und einmal als Endung. Aus huset wird mit Adjektiv den store hunden ‚der große Hund': vorne das den, hinten am Substantiv die Endung -en.

Weitere Merkmale:

  • Morphologischer Typ: fusional (Endungen verschmelzen mehrere Bedeutungen in einer Form).
  • Geschlecht (Genus): drei Genera — maskulin, feminin, neutral. Im Bokmål lässt sich das System aber oft auf zwei reduzieren, weil viele feminine Substantive auch wie maskuline behandelt werden dürfen (zu einem gemeinsamen „Utrum" zusammenfallend). Das Bokmål erlaubt hier also Wahlfreiheit; das Nynorsk verlangt dagegen verpflichtend alle drei Genera (siehe H.6).
  • Bestimmtheit als eigene grammatische Kategorie: Sie wird primär als Endung markiert (huset), bei vorangestelltem Adjektiv zusätzlich als freies Wort (den store hunden).
  • Kein Kasus beim Substantiv (außer dem Genitiv-s). Substantive haben Singular und Plural; der Plural ist meist -er (bokbøker ‚Buch/Bücher'), bei einigen Neutra unverändert (hushus, barnbarn). Unregelmäßige Bildungen kommen vor (mannmenn ‚Mann/Männer').
  • Übereinstimmung (Kongruenz): Adjektive und Begleiter richten sich nach Geschlecht, Zahl und Bestimmtheit des Substantivs (Adjektiv-Endung / -t beim Neutrum / -e im Plural und im Bestimmten), ähnlich wie im Dänischen oder Niederländischen.
  • Pronomen unterscheiden Subjekt- und Objektform (etwa du / deg, han / ham, hun / henne) sowie Geschlecht in der 3. Person. Höflichkeitsformen (das frühere De) sind weitgehend aufgegeben.
  • Verben sind angenehm einfach: keine Personalendungen. Eine Verbform gilt für alle Personen — spiser ‚esse/isst/essen' steht gleichermaßen für „ich", „du", „er/sie/es" usw. Der Infinitiv trägt ein vorangestelltes å (å spise ‚essen'), das Partizip endet z. B. auf -t (spist). Es gibt schwache und starke Verben. Das Perfekt wird mit zwei Hilfsverben gebildet — ha (Entsprechung zu „haben") und være (zu „sein"); für die Zukunft dienen skal/vil.
  • Wortbildung: sehr produktive Zusammensetzung (der hintere Bestandteil bestimmt Geschlecht und Bedeutung), z. B. barne- + hagebarnehage ‚Kindergarten'. Dazu Vorsilben wie u-/be-/for- (umulig ‚unmöglich', betale ‚bezahlen', forstå ‚verstehen') und Nachsilben wie -het/-ing/-lig/-skap (frihet ‚Freiheit', vennlig ‚freundlich', vennskap ‚Freundschaft').

Syntax & Variation

Das Besondere an der Variation ist, dass Norwegisch zwei gleichrangige offizielle Schrift-Standards hat und keinen offiziellen Sprech-Standard. Die beiden Schrift-Standards sind Bokmål (‚Buchsprache', historisch aus dem Dänischen hervorgegangen, in der Schrift heute von etwa 85–90 % genutzt [QUELLE]) und Nynorsk (‚Neunorwegisch', von Ivar Aasen aus ländlichen Dialekten zusammengeführt, etwa 10–15 % [QUELLE]). Beide sind per Gesetz gleichberechtigt; keiner ist „das richtige Norwegisch". Schüler:innen lernen beide: einen als hovedmål (Hauptstandard) und den anderen als sidemål (Nebenstandard).

Wichtig dabei: Die beiden Standards unterscheiden sich nicht nur in der Rechtschreibung und im Wortschatz, sondern bis in die Grammatik hinein. So erlaubt das Bokmål ein Zwei- oder Drei-Geschlechter-System (siehe H.5), während Nynorsk verpflichtend alle drei Genera führt. Auf der Plattform wird zwischen den Standards umgeschaltet (`variety_selection`): Bokmål (`nob`) ist die Voreinstellung, Nynorsk (`nno`) ist der gleichrangige Ko-Standard. Welcher Standard gilt, wird in der Reihenfolge Nutzer:in > Schule > Tenant > Plattform-Vorgabe aufgelöst; ist ein Inhalt nicht im gewählten Standard vorhanden, dient der jeweils andere als Rückfall. Da Norwegen keinen Sprech-Standard kennt, betrifft die Umschaltung vor allem die Schrift (Lexem, Form, Orthographie) und das Aussprache-Audio. Die hier dargestellte Aussprache orientiert sich pragmatisch am Ostnorwegischen (Oslo); im Sprachalltag sind Dialekte in allen Situationen akzeptiert.

Zur Satzstruktur:

  • V2-Wortstellung (Verb-Zweit-Stellung): Im Hauptsatz steht das gebeugte Verb immer an zweiter Stelle, egal was an erster Stelle steht. Steht also nicht das Subjekt vorne, rückt es hinter das Verb. Bei der Frage führt das zur Umstellung: Kommer du? ‚Kommst du?'.
  • Im Nebensatz wandert das Verb nicht ans Satzende (anders als im Deutschen); es ändert sich lediglich die Stellung bestimmter Adverbien — hier verhält sich Norwegisch wie Dänisch.
  • Fragen entstehen durch Umstellung (Kommer du?) oder durch Fragewörter hvem ‚wer', hva ‚was', hvor ‚wo', når ‚wann', hvorfor ‚warum'.
  • Adjektive stehen vor dem Substantiv.
  • Norwegisch verwendet Präpositionen (vorangestellt).
  • Verneinung mit ikke ‚nicht', das nach dem gebeugten Verb steht.
  • Das Subjekt muss gesetzt werden (kein „pro-drop").
  • Kontakt-/Nachbarsprachen: Festlandskandinavisch (Dänisch, Schwedisch, Norwegisch) bildet ein Dialektkontinuum mit hoher gegenseitiger Verständlichkeit; Bokmål und Dänisch stehen sich durch das gemeinsame Erbe besonders nahe. Die Nachbarsprachen sind verwandt, werden aber als eigene Sprachen modelliert (keine Projektion).
  • Honorifik / Tabu-Vokabular / weitere register- und dialektspezifische Details: [WORKSHOP].

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Steckbrief

ISO 639-3
nob
BCP 47
nb-NO
Schrift
Latn
Schreibrichtung
links nach rechts
Modalität
Laut-/Schriftsprache

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