پښتو

Paschto

70 Wörter

  • RTL

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Gemeinsam mit anderen Sprachen

Grammatische Kategorien, die viele Sprachen kennen — hier, wie sie in dieser Sprache aussehen.

  • Geschlecht
    i
    Gibt an, ob ein Nomen männlich, weiblich oder sächlich ist (der/die/das).

    z. B. اسپه (weiblich)

  • Einzahl/Mehrzahl
    i
    Gibt an, ob es um eins (Einzahl) oder mehrere (Mehrzahl) geht.

    z. B. اسپه (Einzahl)

  • Fall
    i
    Zeigt die Rolle des Nomens im Satz — gefragt mit Wer? Wessen? Wem? Wen?
  • Zeitform
    i
    Die Zeitform des Verbs — wann etwas passiert (Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft).

    z. B. لیدل (present)

  • Person
    i
    Wer handelt — 1. (ich/wir), 2. (du/ihr) oder 3. Person (er/sie/es/sie).

    z. B. لیدل (3)

  • Modus
    i
    Wie das Verb gemeint ist: als Tatsache (ich gehe), als Möglichkeit oder Wunsch (ich ginge) oder als Aufforderung (geh!).
  • Aspekt
    i
    Wie eine Handlung verläuft (z. B. abgeschlossen vs. andauernd).
  • Steigerung
    i
    Vergleichsstufe des Adjektivs: groß – größer – am größten.

Etwas ergänzen oder korrigieren

Das Besondere an dieser Sprache

Was diese Sprache von anderen unterscheidet.

  • Konsonantenschrift
    i
    Eine Schrift, die vor allem Konsonanten schreibt; die Vokale werden oft mitgedacht.
  • Teils gespeichert, teils erzeugt
    i
    Eine Mischung: manche Formen sind hinterlegt, andere werden nach Regeln erzeugt.

Eine Besonderheit vorschlagen

Sprachprofil — im Detail

Phonologie

Das auffälligste lautliche Merkmal des Paschto sind seine Retroflexlaute — eine ganze Reihe von Konsonanten, die mit zurückgebogener Zungenspitze gebildet werden und im Deutschen, Arabischen oder Persischen fehlen. Entscheidend ist: Diese Retroflexe stehen einer Reihe „normaler“ (dentaler) Laute gegenüber, und der Unterschied ist bedeutungsunterscheidend (phonemisch). Es gibt also nicht nur ein t, sondern ein dentales und ein retroflexes ʈ; ebenso gegenüber ɖ, n gegenüber ɳ, r gegenüber dem retroflexen Flap ɽ (geschrieben ړ) sowie — in der konservativen Südvarietät — s gegenüber ʂ und z gegenüber ʐ. Wer diese Paare nicht auseinanderhält, spricht und schreibt andere Wörter.

Dazu kommen eigene Affrikaten, die das Paschto von seinen Nachbarsprachen abheben: ein stimmloses t͡s (geschrieben څ) und ein stimmhaftes d͡z (geschrieben ځ), neben den auch sonst bekannten t͡ʃ und d͡ʒ. Insgesamt ist das Konsonantensystem reich; einzelne Laute wie q oder f kommen nur in Lehnwörtern vor.

Eine zweite Besonderheit ist die bewegliche, bedeutungsunterscheidende Betonung. Anders als etwa im Arabischen, wo die Betonung regelhaft aus dem Silbengewicht folgt, kann sie im Paschto auf verschiedenen Silben liegen und allein durch ihre Lage die Wortbedeutung ändern. Das Musterbeispiel der Konkretion ist das Paar اسپه: mit Betonung auf der ersten Silbe gesprochen (áspa) bedeutet es „Stute“, mit Betonung auf der zweiten Silbe (aspá) dagegen „Fleckfieber/Typhus“ — gleiches Schriftbild, verschiedene Bedeutung, der Unterschied liegt einzig in der Betonung `[QUELLE]`. Die Betonung wird in der normalen Schrift nicht markiert und nur in Lehrtexten eigens kenntlich gemacht (siehe H.4).

Bei den Vokalen ist das System vergleichsweise schlicht: Es gibt eine überschaubare Zahl von Vokalqualitäten — darunter ein häufiges zentrales Schwa (ə) — sowie die Zwielaute aj und aw. Eine Vokallängen-Unterscheidung, Nasalvokale, Töne, Klicklaute oder eine Vokalharmonie kennt Paschto nicht. Eine Eigenheit des Lautbaus, die Paschto von Arabisch und Persisch trennt, sind Konsonantencluster schon am Wortanfang (etwa st- oder ʐw-), die regulär und nicht durch einen Hilfsvokal aufgebrochen werden `[QUELLE]`.

Schließlich gibt es dialektale Lautunterschiede, die zugleich Identitätsmarker sind (siehe H.6): Die konservative Südvarietät (Kandahari) bewahrt die Retroflexfrikative ʂ und ʐ; im Nordosten (Yusufzai) sind dieselben Laute zu x bzw. ɡ verschoben. So wird der Sprachname پښتو im Süden Pəʂto, im Nordosten Pəxto gesprochen.

Schriftsystem

Paschto wird von rechts nach links geschrieben (RTL) in einer erweiterten perso-arabischen Schrift. Das ist nicht nur eine Anzeigefrage: Sobald in einem Beispielsatz die paschtosche Schrift mit lateinischer Umschrift oder mit Ziffern gemischt wird, entsteht bidirektionaler Text — Ziffern laufen dann innerhalb des rechtsläufigen Textes von links nach rechts, und auch Bedienoberflächen werden gespiegelt. Damit gemischte Inhalte korrekt erscheinen, ist durchgängiges Bidi-Handling nötig.

Die Schrift ist ein Abjad, also eine Konsonantenschrift: Geschrieben werden in erster Linie die Konsonanten; die kurzen Vokale werden in Alltagstexten gewöhnlich weggelassen und nur bei Bedarf durch optionale Hilfszeichen (die ḥarakāt) angezeigt. Auch die Betonung wird nicht geschrieben. Das Alphabet umfasst etwa 44 Buchstaben: die 28 arabischen, vier aus dem Persischen (پ, چ, ژ, گ) und rund zehn eigene Paschto-Buchstaben, die es weder im Arabischen noch im Persischen gibt. Diese eigenen Buchstaben bilden gerade die oben beschriebenen Retroflexe und Affrikaten ab — etwa ټ, ډ und ړ für die Retroflexe, ڼ für das retroflexe ɳ, ښ und ږ für die dialektal unterschiedlich gesprochenen Frikative sowie څ, ځ und ګ für Affrikaten und das g.

Wie in der arabischen Schrift hat jeder Buchstabe bis zu vier kontextuelle Formen, je nachdem ob er allein steht oder am Anfang, in der Mitte oder am Ende eines Wortes verbunden ist. Wichtig für den Schrifterwerb: zehn Buchstaben verbinden nicht nach links (د, ډ, ذ, ر, ړ, ز, ژ, ږ, و, ا). Diese kontextuellen Formen sind der eigentliche Lerngegenstand des Schrifterwerbs (siehe H.7).

Paschto kennt keine Groß- und Kleinschreibung — weder am Satzanfang noch bei Nomen oder Eigennamen. Bei der Zeichensetzung gibt es ein eigenes, gespiegeltes Komma (،) und Semikolon (؛); als Satzende dienen sowohl das arabische ۔ als auch der lateinische Punkt. Ein grammatischer Wortteil entspricht in der Schreibung genau einem Schriftwort (zusammenschreibende Orthographie) — es ist also keine disjunktive Tokenisierung wie bei Setswana oder Lozi nötig. Die Sortierreihenfolge folgt einer eigenen, traditionsgebundenen Paschto-Ordnung; ihre konkrete Festlegung (samt afghanischer und pakistanischer Varianten) ist `[WORKSHOP]`.

Eine orthographische Sensibilität ist, dass Afghanistan und Pakistan teils verschieden schreiben — etwa das g als گ (afghanisch) gegenüber ګ (pakistanisch). Beide Varianten sind zu dokumentieren, keine ist über die andere zu stellen (siehe H.6).

Morphologie

Trotz der arabischen Schrift ist Paschto morphologisch kein Wurzel-und-Muster-System wie das Arabische, sondern eine fusionierende indo-iranische Sprache: Grammatische Information wird durch Endungen und Stammwechsel ausgedrückt, nicht durch das Einweben von Konsonantenwurzeln in feste Schemata. Schrift und Morphologie sind hier ausdrücklich entkoppelt — dieselbe Schriftfamilie, ein ganz anderer Wortbau (in der Konkretion als zentraler Beleg geführt: `root_and_pattern` bleibt inaktiv).

Das morphologisch Auffälligste am Paschto ist seine gespaltene Ergativität (Split-Ergativität). „Gespalten“ heißt: Der Satzbau folgt nicht überall denselben Regeln, sondern kippt je nach Tempus. Im Präsens verhält sich Paschto wie das Deutsche — das Subjekt steht in der Grundform (Direktus), und das Verb richtet sich nach dem Subjekt. In der transitiven Vergangenheit dagegen ändern sich gleich mehrere Dinge auf einmal: Das handelnde Subjekt (das Agens) tritt in einen anderen Fall, den Obliquus; das Objekt steht im Direktus; und — das ist der eigentliche Bruch — das Verb richtet sich nun nicht mehr nach dem Subjekt, sondern nach dem Objekt (in Genus und Numerus).

Konkret zeigt das die Konkretion am Verb لیدل (lidəl, „sehen“): Im Präsens heißt es sinngemäß „ich sehe“, wobei das Verb mit dem Subjekt „ich“ kongruiert. In der transitiven Vergangenheit steht dasselbe „ich“ im Obliquus (ما, mā), und das Verb stimmt stattdessen mit dem Objekt überein — dasselbe Lemma, zwei Kongruenz-Richtungen je nach Tempus `[QUELLE]`. Wichtig ist die Einschränkung: Nur transitive Sätze in der Vergangenheit kippen so; intransitive Verben bleiben in beiden Tempora subjekt-kongruent. (Paschto unterscheidet sich darin von Urdu/Hindi, wo der Wechsel nicht durch das Tempus, sondern durch den Aspekt ausgelöst wird.)

Bei den Substantiven gibt es Einzahl und Mehrzahl (die Pluralendung hängt von Genus und Deklinationsklasse ab, etwa maskulin -una, feminin -e `[QUELLE]`), vier Fälle (Direktus, Obliquus, Ablativ, Vokativ) und ein grammatisches Geschlecht mit den beiden Werten maskulin und feminin. Einen Artikel — bestimmt oder unbestimmt — kennt Paschto nicht. Bei den Verben gibt es zwei Stämme, einen Präsensstamm und einen eigenen Vergangenheitsstamm; gerade dieser zweite Stamm ist die Grundlage der oben beschriebenen Ergativ-Konstruktion. Eine eigene, suppletive Kopula („sein“) dient als Hilfsverb `[QUELLE]`.

Eine letzte Besonderheit betrifft kleine, angehängte (enklitische) Pronomen (wie me, de, ye). Sie sind für die Vergangenheits-Konstruktion zentral, weil sie das im Obliquus stehende Agens markieren können. Ihre genaue Stellung im Satz folgt der Ergativ-Logik und reicht damit von der Wortgrammatik in den Satzbau hinein (siehe H.6 und H.11).

Bei der Wortbildung spielt eine produktive Verb-Ableitung kaum eine Rolle. Stattdessen sind Funktionsverbgefüge (sogenannte light verbs) sehr produktiv: Ein Nomen oder Adjektiv wird mit einem Hilfsverb wie kawəl („machen“) oder kedəl („werden“) kombiniert; auf diese Weise werden auch viele Lehnwörter ins Verbsystem eingebunden `[QUELLE]`.

Syntax & Variation

Im Satzbau folgt Paschto der Reihenfolge Subjekt – Objekt – Verb, das Verb steht also am Ende — anders als im Deutschen oder Englischen. Eigenschaftswörter stehen vor dem Substantiv. Bei den Verhältniswörtern ist Paschto besonders flexibel: Es gibt sowohl Präpositionen (davor) als auch Postpositionen (danach) und sogar Zirkumpositionen, die ein Wort von beiden Seiten umklammern `[QUELLE]`.

Verneint wird mit einem eigenen Wort vor dem Verb: نه (nə) für die normale Verneinung und مه (mə) für das Verbot (Prohibitiv). Fragen bildet man über eine Fragepartikel bzw. die Satzmelodie oder mit Fragewörtern wie څوک (tsok, „wer“) und څه (tsə, „was“).

Wie im Türkischen oder Arabischen wird das Subjektpronomen oft weggelassen (Pro-Drop): Weil die Verbform die Person bereits anzeigt, muss man „ich“, „du“, „wir“ nicht eigens nennen. Eine paschtosche Besonderheit, die über die reine Morphologie hinausgeht, ist die Stellung der oben genannten enklitischen Pronomen: In der Ergativ-Konstruktion der Vergangenheit markieren sie das oblique Agens, und ihre Platzierung folgt dieser Konstruktion (siehe H.5 und H.11).

Paschto ist eine einsprachenzentrierte (monozentrische) Sprache; ein pluralistisches Standard-System mit gleichberechtigten Schreibnormen wie etwa beim Norwegischen liegt nicht vor. Die zentrale Variationsfrage ist die dialektale Vielfalt und ihre identitätspolitische Aufladung: Die konservative Südvarietät (Kandahari) und die Nordost-Varietät (Yusufzai) unterscheiden sich lautlich deutlich (siehe H.3); in der Konkretion ist Kandahari als Tenant-Default gesetzt, doch keine der beiden Varietäten darf als „die richtige“ über die andere gestellt werden. Beide sollen sichtbar bleiben und von der Community geprüft werden.

Für den DE-Kontext besonders relevant ist die Diaspora-Realität: Viele Paschto-Sprecher:innen in Deutschland kommen aus afghanischer und pakistanischer Herkunft und bringen ihre jeweilige dialektale und orthographische Prägung mit (etwa گ vs. ګ für das g). Hinzu kommt, dass viele Sprecher:innen eine Flucht- oder Konfliktbiografie haben — Beispiele und Bilder sind entsprechend sensibel und ohne Konfliktklischees zu wählen. Welche Varietät als Standard gesetzt wird, ob Diaspora-Paschto als eigene Varietät erfasst wird und wie mit den orthographischen Varianten umzugehen ist, sind Entscheidungen der Community. Konkrete Einordnungen: `[WORKSHOP]`

Wie diese Sprache gelernt wird

Didaktische Schwerpunkte — wie Lesen und Schreiben in dieser Sprache vermittelt werden.

Didaktische Prioritäten

- Kern-Lerngegenstände: Split-Ergativität (Agens im Obliquus, Verb ↔ Objekt in der Vergangenheit); Retroflex-Kontrast (dental vs. retroflex); bewegliche, bedeutungsunterscheidende Betonung; die kontextuellen und Paschto-eigenen Buchstabenformen. - Chunks/Mehrwort-Bausteine: Funktionsverbgefüge (light verbs) wie Nomen/Adjektiv + kawəl („machen“) / kedəl („werden“) sind hochproduktiv und didaktisch als Baustein zu behandeln; das konkrete Lemma ist `[QUELLE]`. - Beobachtete Fehlermuster (Tracking-Ziele): „Ergativ falsch“, „Retroflex verwechselt“, „Betonung falsch“ (in der Konkretion als beobachtbare Fehlermuster pro Wortform vermerkt). - Audio-Priorität: Audio ist Primärmedium; Metadaten unterscheiden u. a. die Sprecher-Varietät (Kandahari, Yusufzai, Waziri u. a.). TTS ist nicht zugelassen — Audio kommt von Sprecher:innen. - Aggregationsebene des Lernstands: Lemma (nicht Einzelform); nachverfolgbar sind zusätzlich morphologische Regeln wie `ergative_past_construction`, `oblique_case` und `plural_formation`. Wiederholungsalgorithmen: SM-2 (Default) und Leitner. - Inklusionsaspekte, weitere Übungsmodi: `[LÜCKE]` / `[WORKSHOP]`.

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Steckbrief

ISO 639-3
pus
BCP 47
ps-Arab
Schrift
Arab
Schreibrichtung
rechts nach links
Modalität
Laut-/Schriftsprache

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