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Russisch

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Grammatische Kategorien, die viele Sprachen kennen — hier, wie sie in dieser Sprache aussehen.

  • Geschlecht
    i
    Gibt an, ob ein Nomen männlich, weiblich oder sächlich ist (der/die/das).

    z. B. замок (männlich)

  • Einzahl/Mehrzahl
    i
    Gibt an, ob es um eins (Einzahl) oder mehrere (Mehrzahl) geht.

    z. B. бежать (Einzahl) KI · ungeprüft

  • Fall
    i
    Zeigt die Rolle des Nomens im Satz — gefragt mit Wer? Wessen? Wem? Wen?

    z. B. замок (Nominativ (Wer/Was?))

  • Zeitform
    i
    Die Zeitform des Verbs — wann etwas passiert (Gegenwart, Vergangenheit, Zukunft).

    z. B. бежать (present) KI · ungeprüft

  • Person
    i
    Wer handelt — 1. (ich/wir), 2. (du/ihr) oder 3. Person (er/sie/es/sie).

    z. B. бежать (1) KI · ungeprüft

  • Modus
    i
    Wie das Verb gemeint ist: als Tatsache (ich gehe), als Möglichkeit oder Wunsch (ich ginge) oder als Aufforderung (geh!).
  • Aktiv/Passiv
    i
    Aktiv oder Passiv — ob das Subjekt handelt oder die Handlung erfährt.
  • Aspekt
    i
    Wie eine Handlung verläuft (z. B. abgeschlossen vs. andauernd).

    z. B. написать (perfective)

  • Steigerung
    i
    Vergleichsstufe des Adjektivs: groß – größer – am größten.

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Das Besondere an dieser Sprache

Was diese Sprache von anderen unterscheidet.

  • Teils gespeichert, teils erzeugt
    i
    Eine Mischung: manche Formen sind hinterlegt, andere werden nach Regeln erzeugt.

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Sprachprofil — im Detail

Phonologie

Das auffälligste Merkmal des Russischen ist die Palatalisierung: Fast jeder Konsonant gibt es in zwei Ausführungen, einer harten und einer weichen (palatalisierten). Weich gesprochen wird ein Konsonant, indem die Zunge sich zusätzlich zum Gaumen hin hebt — es klingt, als schöbe sich ein kurzes „j“ in den Laut hinein. Dieser Unterschied ist bedeutungsunterscheidend: Hart und weich sind im Russischen zwei verschiedene Laute, nicht zwei Aussprachen desselben Lauts. Dadurch verdoppelt sich das Konsonanteninventar nahezu — zu jedem harten p, t, d, n, s usw. tritt ein weiches Gegenstück.

Bei den Vokalen ist das System überschaubar: Russisch hat im Kern sechs Vokallaute, darunter ein für deutsche Ohren ungewohntes ы (ein zurückgezogenes i, etwa in сын, „Sohn“). Beispielwörter aus der Konkretion sind мама (Mama), лес (Wald), мир (Welt), дом (Haus) und рука (Hand). Russisch kennt keine Vokallängen-Unterscheidung, keine Nasalvokale, keine Töne und keine Klicklaute.

Eng mit den Vokalen verbunden ist die Vokalreduktion (russisch аканье): Ein unbetontes o wird nicht voll ausgesprochen, sondern zu einem schwächeren a- oder schwa-ähnlichen Laut abgeschwächt. So klingt das geschriebene молоко (Milch) gesprochen eher wie „malako“. Welcher Vokal reduziert wird, hängt direkt davon ab, wo die Betonung liegt — Schrift und Aussprache fallen hier also auseinander. Dazu kommt die Auslautverhärtung: Ein stimmhafter Konsonant am Wortende wird stimmlos, etwa in друг (Freund), das am Ende wie „k“ klingt.

Die größte Besonderheit liegt in der Betonung. Sie ist im Russischen beweglich und nicht vorhersagbar: Es gibt keine feste Regel, auf welcher Silbe ein Wort betont wird, und die Betonung kann sich beim Beugen sogar innerhalb eines Wortes verschieben (so wandert sie etwa von рука́ im Nominativ auf eine andere Silbe in ру́ку im Akkusativ). Vor allem aber trägt die Betonung Bedeutung: за́мок (mit Betonung auf der ersten Silbe) heißt „Schloss, Burg“, замо́к (Betonung auf der zweiten Silbe) heißt „Schloss, Verriegelung“ — bei identischem Schriftbild. Im Alltagstext wird die Betonung nämlich nicht markiert (das Betonungszeichen erscheint nur in Lehr- und Wörterbüchern); für Lernende und für Vorlese-Stimmen ist sie damit ein eigenes Problem, weil sie pro Wortform bekannt sein muss, aber nicht im Schriftbild steht.

Schriftsystem

Russisch wird mit dem kyrillischen Alphabet von links nach rechts geschrieben. Das Alphabet hat 33 Buchstaben. Es ist eine echte Buchstabenschrift (ein Alphabet), und die Zuordnung von Buchstabe zu Laut ist überwiegend regelhaft — anders als im Deutschen oder Englischen gibt es kaum verschachtelte Buchstabenkombinationen. Voll lauttreu ist es aber nicht, weil Vokalreduktion und bewegliche Betonung (siehe H.3) zwischen Geschriebenem und Gesprochenem eine Lücke lassen.

Ein klassischer Stolperstein für Deutsch- oder Englischsprachige sind die „falschen Freunde“: Mehrere kyrillische Buchstaben sehen aus wie lateinische, werden aber ganz anders gelesen. So steht в für „w“, н für „n“, р für „r“, с für „s“, у für „u“ und х für „ch“. Wer hier die lateinische Lesung anwendet, liest das Wort falsch.

Zwei Buchstaben sind gar keine Laute, sondern Steuerzeichen für die Aussprache: das Härtezeichen ъ (твёрдый знак) und das Weichheitszeichen ь (мягкий знак). Sie zeigen an, ob der vorangehende Konsonant hart oder weich gesprochen wird — sie greifen also direkt die Palatalisierung aus H.3 auf, sind aber selbst stumm.

Beim Thema Betonungszeichen ist Russisch eigen: Über einen betonten Vokal kann ein Akut gesetzt werden (etwa за́мок), aber dieses Zeichen ist didaktisch — es erscheint in Lehr- und Wörterbüchern, im normalen Alltagstext jedoch nicht. Ähnlich verhält sich der Buchstabe ё: Er steht für einen eigenen Laut, wird im normalen Schriftbild aber meist einfach als е geschrieben.

Bei der Groß-/Kleinschreibung gilt: Substantive werden — anders als im Deutschen — kleingeschrieben; großgeschrieben werden nur Satzanfänge und Eigennamen. Auch Wochentage, Monatsnamen und Nationalitäten schreibt man klein. Als Anführungszeichen sind im Russischen die französischen Zeichen «…» üblich, und statt einer Kopula („ist“) steht im Satz häufig ein Gedankenstrich.

Morphologie

Russisch ist eine fusionale Sprache. Das bedeutet: Eine einzige Endung trägt oft mehrere grammatische Informationen gleichzeitig. Eine Substantivendung kann zum Beispiel Fall, Zahl und Geschlecht auf einmal anzeigen — die Bedeutungen lassen sich nicht sauber wie Perlen auf einer Schnur voneinander trennen. Darin unterscheidet sich Russisch grundlegend von Sprachen, die jede Bedeutung an eine eigene, abtrennbare Endung hängen.

Bei den Substantiven gibt es Einzahl und Mehrzahl sowie sechs Fälle (Kasus): Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Instrumental und Präpositiv. Die Endungen sind nach drei Deklinationsklassen organisiert. Es gibt drei grammatische Geschlechter — männlich, weiblich und sächlich — und keinen Artikel: Russisch hat weder ein Wort für „der/die/das“ noch für „ein“. Ob etwas bestimmt oder unbestimmt gemeint ist, ergibt sich aus dem Zusammenhang, nicht aus einem Artikelwort. Eine Besonderheit ist die Belebtheit (animacy): Ob ein Substantiv etwas Belebtes oder Unbelebtes bezeichnet, beeinflusst seine Akkusativform — bei belebten Maskulina fällt der Akkusativ mit dem Genitiv zusammen, bei unbelebten mit dem Nominativ. Die meisten Pluralformen folgen den regelmäßigen Endungsmustern; einige sind unregelmäßig oder bilden im Plural sogar einen anderen Stamm, etwa другдрузья (Freund → Freunde) oder ребёнокдети (Kind → Kinder).

Die wichtigste Besonderheit liegt bei den Verben: dem Verbalaspekt. Jedes russische Verb gehört zu einem von zwei Aspekten — imperfektiv (für einen Vorgang, eine Wiederholung, etwas Unvollendetes) oder perfektiv (für etwas Abgeschlossenes, Einmaliges, ein Ergebnis). Die beiden gehören als Paar zusammen: писать (schreiben als Prozess, imperfektiv) und написать (schreiben als abgeschlossene Handlung, perfektiv) meinen dieselbe Tätigkeit, sind aber zwei verschiedene Verben. Wichtig ist: Erst das Paar deckt alle Zeitformen ab. Der imperfektive Partner hat eine Gegenwart (пишу, „ich schreibe gerade“), aber der perfektive Partner hat keine Gegenwart — seine Gegenwartsform trägt stattdessen Zukunftsbedeutung (напишу, „ich werde schreiben“). Der Aspekt ist also nicht frei wählbar wie eine Zeitform, sondern fest am einzelnen Verb verankert.

Gebildet wird ein Aspektpaar meist durch Vorsilben oder Nachsilben: Aus einem imperfektiven Grundverb entsteht durch ein Präfix ein perfektives Verb (писатьнаписать mit der Vorsilbe на-; читатьпрочитать), oder umgekehrt aus einem perfektiven Verb durch ein Suffix ein sekundär-imperfektives (mit -ыва-/-ива-). Manche Paare sind sogar suppletiv, das heißt mit ganz verschiedenen Stämmen gebildet (etwa брать / взять). Welche Vorsilbe ein Verb „rein“ perfektiviert, ist nicht voll vorhersagbar, sondern muss je Wort gelernt werden. Echte Zusammensetzungen (Komposita) sind im Russischen selten, kommen aber vor, etwa пароход (Dampfschiff, wörtlich „Dampf-Geher“).

Wegen dieser reichen Formenfülle werden die Wortformen überwiegend nach Regel erzeugt und nur die wichtigsten oder unregelmäßigen Formen fest hinterlegt (in der Konkretion: `form_generation_strategy: hybrid`).

Syntax & Variation

Im Satzbau folgt Russisch grundsätzlich der Reihenfolge Subjekt – Verb – Objekt, doch die Wortstellung ist weitgehend frei: Weil die Fälle (Kasus) am Wort selbst anzeigen, wer handelt und wer betroffen ist, kann man die Satzteile umstellen, ohne dass der Satz unverständlich wird — die Reihenfolge dient dann eher der Betonung. Eigenschaftswörter stehen vor dem Substantiv. Verhältniswörter (Präpositionen) stehen — wie im Deutschen — vor dem Substantiv und verlangen einen bestimmten Fall.

Verneint wird mit der Partikel не vor dem verneinten Wort. Eine Besonderheit ist die doppelte Verneinung: Sie ist im Russischen Pflicht. Wo das Deutsche „niemand kam“ sagt, steht im Russischen zugleich ein verneinendes Pronomen und die Verbverneinung (никто не …) — beide Verneinungen gehören zusammen und heben sich nicht auf.

Fragen bildet man meist allein über die Satzmelodie (Intonation), ohne die Wortstellung zu ändern; alternativ mit der Fragepartikel ли oder mit Fragewörtern wie что (was), кто (wer) oder где (wo).

Das Subjektpronomen kann oft weggelassen werden, weil die Verbform die Person bereits anzeigt — zwingend ist das Weglassen aber nicht. Russisch ist in diesem Sinne nur teilweise eine Sprache, in der die Endung das Pronomen ersetzt.

Russisch ist eine einsprachenzentrierte (monozentrische) Sprache: Der Norm-Anker ist das Standardrussische der Moskauer Norm, in der Konkretion als Standardvarietät gesetzt. Pluricentrische Varietäten-Umschaltung betrifft diese Sprache nicht. Für den DE-Kontext besonders relevant ist die russischsprachige Diaspora-Realität: Im Herkunftssprachenunterricht ist die zweisprachige Lebenswelt vieler Kinder Normalfall, nicht Defekt. Dabei gilt der ausdrückliche Hinweis, dass „russischsprachig“ nicht „russländisch“ bedeutet — viele Sprecher:innen kommen aus der Ukraine, aus Kasachstan, dem Baltikum und weiteren Ländern. Wie Diaspora-Russisch erfasst wird — als eigene Varietät oder nur als Standard — ist eine noch offene Frage. `[WORKSHOP]`

Politisch sensible Bereiche, die der Reviewer-Pool gesondert behandelt: die Heterogenität der Diaspora (Sprache nicht mit Nation gleichsetzen); die politische Aufladung des Russischen als Schulsprache (insbesondere nach 2022) bei gleichzeitigem Anspruch, es fachlich-didaktisch als Herkunftssprache zu führen; sowie der Umgang mit dem Betonungszeichen als rein didaktischem Mittel. Konkrete Einordnungen und Tabu-Vokabular: `[WORKSHOP]`

Wie diese Sprache gelernt wird

Didaktische Schwerpunkte — wie Lesen und Schreiben in dieser Sprache vermittelt werden.

Didaktische Prioritäten

  • Kern-Lerngegenstände: Kyrillisch-Schrifterwerb; bewegliche Betonung + Vokalreduktion; Kasusendungen (6 Kasus × 3 Deklinationen); Aspektpaare (ipf./pf.).
  • Chunks/Mehrwort-Bausteine: unterstützte Typen laut Konkretion `fixed_phrase` und `idiom`; konkrete Einträge noch nicht erfasst (`entries: []`). `[LÜCKE]`
  • Beobachtete Fehlermuster (Tracking-Ziele): falscher Aspekt, falsche Kasusendung, falsche Betonung (in der Konkretion als `error_patterns_observed` vermerkt).
  • Audio-Priorität: Audio ist Primärmedium; Metadaten unterscheiden u. a. die Sprecher-Varietät Standard vs. Diaspora-DE.
  • Aggregationsebene des Lernstands: Lemma (nicht Einzelform); zusätzlich werden morphologische Regeln getrackt (z. B. `genitive_singular`, `aspect_choice`, `stress_shift`), da etwa die Aspekt-Wahl eher eine Regel/Skill als eine einzelne Form ist.
  • Inklusionsaspekte, weitere Übungsmodi: `[LÜCKE]` / `[WORKSHOP]`

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Steckbrief

ISO 639-3
rus
BCP 47
ru-Cyrl
Schrift
Cyrl
Schreibrichtung
links nach rechts
Modalität
Laut-/Schriftsprache

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